Ameisen im Haus bekämpfen
Wenn Ameisen den Weg in Ihr Zuhause finden
Kaum wird es im Frühling wärmer, tauchen sie auf: Ameisenstrassen, die sich quer durch die Küche ziehen. In der Schweiz sind gemäss dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) 132 Ameisenarten heimisch – davon sind 46 Arten sogar gefährdet. Die allermeisten leben draussen und sind für die Natur enorm wichtig: Sie verbessern die Bodenqualität, verbreiten Samen und beseitigen organische Abfälle.
Doch einige wenige Arten suchen gezielt menschliche Behausungen auf – nicht um dort zu nisten, sondern weil sie auf Nahrungssuche sind. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lässt sich ein Ameisenbefall mit den richtigen Massnahmen gut in den Griff bekommen.
Welche Ameisenarten kommen in Schweizer Häusern vor?
Laut Anticimex Schweiz und Desinfecta sind drei Ameisenarten besonders häufig in und um Gebäude anzutreffen:
Schwarze Wegameise (Lasius niger)
Die häufigste «Hausameise» der Schweiz. Die Arbeiterinnen sind 2 bis 5 mm lang und dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Ihre Nester legen sie draussen an – unter Steinen, Terrassenplatten oder im Rasen. Im Frühling und Sommer dringen sie auf der Suche nach zuckerhaltiger Nahrung in Küchen ein und bilden dabei gut sichtbare Ameisenstrassen. Die Schwarze Wegameise verursacht keine direkten Schäden, wird aber durch Kontamination von Lebensmitteln als sehr lästig empfunden.
Braune Wegameise (Lasius brunneus)
Diese Art fällt im Haus oft erst spät auf – meist dann, wenn plötzlich geflügelte Tiere schwärmen. Die Arbeiterinnen meiden offene Flächen und bleiben lange unbemerkt. Ihre Nester legen sie bevorzugt in altem, feuchtem Holz an: hinter Türrahmen, in Zwischenwänden oder in Dämmmaterialien. Besonders bei früheren Feuchtigkeitsschäden können sie sich gut etablieren. Wichtig: Sie nutzen Holz als Lebensraum, fressen es aber nicht (im Gegensatz zu Holzameisen in Nordamerika).
Pharaoameise (Monomorium pharaonis)
Die winzige, bernsteinfarbene Pharaoameise ist der problematischste Fall. Sie fühlt sich in warmen, beheizten Gebäuden besonders wohl und gilt als echter Hygieneschädling, da sie Keime verbreiten kann. In Spitälern und Pflegeheimen ist sie besonders gefürchtet. Pharaoameisen bilden sogenannte Tochterkolonien – wird ein Nest gestört, teilt sich die Kolonie und verbreitet sich weiter im Gebäude. Selbst für professionelle Schädlingsbekämpfer ist die Bekämpfung eine Herausforderung.
Warum kommen Ameisen ins Haus?
Ameisen kommen immer von draussen. Sie dringen über kleinste Ritzen in Küchen, Vorratsräume oder Bäder ein. Der Grund ist fast immer derselbe: Nahrung. Im Frühjahr sind ihre natürlichen Futterquellen oft noch nicht ausreichend vorhanden. Finden sie im Haus eine Nahrungsquelle, markieren sie den Weg mit Duftstoffen (Pheromonen) – und die Ameisenstrasse entsteht.
Typische Anziehungspunkte:
- Offene Zuckerdosen, Honiggläser, Fruchtsäfte
- Krümel und Essensreste auf Arbeitsflächen
- Tierfutter in offenen Schalen
- Klebrige Rückstände an Abfalleimern
Erste Massnahmen: Was Sie selbst tun können
Nahrungsquellen eliminieren
Der wichtigste Schritt: Entziehen Sie den Ameisen die Nahrungsgrundlage. Sauber wischen, Lebensmittel verschlossen aufbewahren, Abfälle täglich entsorgen. Laut Desinfecta verlieren Wegameisen schnell das Interesse, wenn die Nahrungsquelle wegfällt.
Ameisenstrassen unterbrechen
Alles, was die Geruchsorientierung der Ameisen stört, hilft: Essig entlang der Laufwege träufeln, Zimt oder Backpulver als Barriere streuen. Diese Hausmittel wirken allerdings nur vorübergehend und bei kleinem Befall.
Zugangswege abdichten
Ritzen an Fenstern, Türen und Sockelleisten mit Silikon oder Acryl verschliessen. So wird der Zugang physisch blockiert.
Wann braucht es den Profi?
In vielen Fällen reichen die oben genannten Massnahmen aus, um Wegameisen loszuwerden. Professionelle Hilfe ist nötig, wenn:
- Der Befall trotz gründlicher Reinigung und Abdichtung anhält
- Sie Pharaoameisen vermuten (winzig, bernsteinfarben, in beheizten Gebäuden)
- Ameisen in der Bausubstanz nisten (z.B. Braune Wegameisen in Holzkonstruktionen)
- Es sich um einen Gewerbebetrieb handelt (Gastronomie, Lebensmittelproduktion)
Wie arbeitet ein professioneller Schädlingsbekämpfer?
- Artbestimmung: Zunächst wird die Ameisenart identifiziert – davon hängt die gesamte Strategie ab.
- Nestlokalisierung: Das Nest zu finden ist entscheidend. Nur die Ameisenstrasse zu behandeln, bringt langfristig nichts.
- Gezielte Behandlung: Bei Wegameisen kommen oft Gelköder zum Einsatz, die von den Arbeiterinnen ins Nest getragen werden und dort die Königin erreichen. Bei Pharaoameisen ist ein engmaschiges Monitoring über mehrere Wochen nötig.
- Prävention: Abdichtung von Zugangswegen und Beratung zur Vorbeugung.
Ameisen im Garten: Kein Grund zur Panik
Ameisen im Garten sind in aller Regel kein Problem – im Gegenteil. Sie belüften den Boden, verbreiten Pflanzensamen und regulieren andere Insektenpopulationen. Erst wenn sie Terrassen unterhöhlen, Blattläuse auf Nutzpflanzen «melken» oder massenhaft in die Wohnung eindringen, sollten Sie aktiv werden.
Kosten einer professionellen Ameisenbekämpfung
Die Kosten variieren je nach Art und Umfang des Befalls. Für eine einfache Behandlung mit Gelköder bei Wegameisen ist mit CHF 200 bis 400 zu rechnen. Bei Pharaoameisen oder einem Befall in der Bausubstanz kann die Bekämpfung über mehrere Wochen dauern und entsprechend mehr kosten. Lassen Sie sich immer einen verbindlichen Kostenvoranschlag geben.